Umgebung & Geschichte

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Großwangener Geschichte – Abriss

Geschichte der Wangener Buntsandsteinbrüche und der Familie Wiebecke

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Der Sandsteinhof Unstruttal liegt in Großwangen bei Nebra (Unstrut), Sachsen-Anhalt, nahe dem Fundort der Himmelsscheibe von Nebra

Inmitten von mittelalterlichen Burgen, Schlössern und Kulturdenkmälern verbindet das Tal entlang der Unstrut Rad-, Wander- und Wassererlebnisse auf einzigartige Weise.

Von A wie „Arche Nebra“ bis Z bis „Zeddenbacher Mühle“ wartet die Angebotsvielfalt an Sehenswürdigkeiten nicht nur mit Angeboten für Kultur- und Weinliebhaber auf.

Beim Wandern auf den idyllischen Pfaden durch die malerische Weinlandschaft und die historischen Städte, lädt die herrliche Landschaft stets zum Verweilen ein.

Entlang der Unstrut bieten Lern- und Erlebnispfade stets wissenshungrigen Gästen genügend Gelegenheit, sich umfassend zum historischen Erbe der Region zu informieren.

Astronomiebegeisterte erwartet neben dem idyllischen Kleinod eine spannende Reise durch die Gezeiten und Gestirne. 

Erkundungstouren zum Mittelberg in Wangen, dem Fundort der Himmelsscheibe von Nebra oder zur Anlage des Gosecker Sonnenobservatorium versprechen jede Menge Interessantes.

Im Tal der Unstrut befinden sich die Orte Goseck, Freyburg, Balgstädt, Laucha, Gleina, Karsdorf, Nebra und Memleben.

Großwangener Geschichte – Abriss

Text von Sabine Reich

Die Namen der beiden Dörfer Großwangen und Kleinwangen sind erstmals im Hersfelder Zehntverzeichnis 830/850 als -Unangun- genannt. Seit dem Jahr 1120 heißen sie Wangen (altsächsisch wang = Feld, Wiese).

Die Orte Großwangen und Kleinwangen liegen zu beiden Seiten des Flusses Unstrut inmitten einer alten Kulturlandschaft. Die Buntsandsteinhänge rechts und links des Flusses und das teilweise enge Tal verleihen dieser Landschaft einen besonderen Reiz. Der Abbau des Buntsandsteins für Gebäude, Mühlsteine, Pflastersteine geht weit zurück. Die erste Kirche und das Kloster Memleben sind auch aus „Nebraer Buntsandstein“ errichtet.

Die einzigartige Fauna und Flora gehören zum Naturpark „Saale – Unstrut – Triasland“. Funde geben Auskunft über eine sehr frühe Besiedelung. Als Kirchendörfer sind sie schon frühzeitig belegt. Jeder Ort hatte seine eigene Kirche, sie gehörten aber unterschiedlichen Kirchgemeinden an. Großwangen gehörte nachweislich zur Pfarrgemeinde Nebra mit allen Rechten und Pflichten. Die Gerichtsbarkeit für Großwangen wurde von der Herrschaft in Nebra ausgeübt. Die Bauern mussten Anspanndienste für Nebra leisten.

Kaiserpfalz Memleben

Die Nähe (4km) zu der alten Kaiserpfalz Memleben hat auf die Entwicklung des Ortes Einfluß gehabt. Dort verweilten einst Heinrich I., erster deutscher König und später auch sein Sohn Kaiser Otto I. Beide sind in Memleben gestorben.

Otto II. ließ zum Gedenken an seinen Vater Otto I. 975/979 in Memleben ein Benediktiner Kloster errichten. Sie ist heute teilweise noch zu besichtigen. Sein Sohn Otto III. hat in einer Urkunde belegt, dass es im Unstruttal und darüber hinaus seit 998 Weinanbau gibt.

Ruinen der Altenburg

Auf beiden Seiten der Unstrut gibt es hoch gelegene Befestigungswälle, die auf verfallene Burgen hinweisen. Auf der Hochebene ca. 80 m über Großwangen befinden sich die Reste der über 17 ha großen Burganlage „Altenburg“ (siehe Wanderung zu den Ruinen der Altenburg). Sie wird auch als Flieh- oder Fluchtburg bezeichnet. Weit verzweigt sind die großen Wälle noch zu sehen. Mit einer großen Vor- und Kernburg bei einer Längsausdehnung von rund 920 m ist sie eine der größten vorgeschichtlichen Wallburgen im einstigen Thüringer Raum. Unmittelbar an der Burg befindet sich ein älter Friedhof, die Menschen sind von der Pest hingerafft worden. Georg Reich, ein früherer Besitzer des Sansteinhofes, hatte dort Ackerflächen. Er hat des öfteren beim Pflügen Knochen und Gegenstände gefunden. Die Funde wurden beim Landesamt für Archäologie in Halle gemeldet.

Bevölkerung

Zur Zeit des Bauernkrieges hatte Großwangen 16 Bauern. Im Jahre 1535 hielt die Reformation Einzug im Unstruttal. Laut „Visitationsprotokoll für Nebra“ von 1539 musste das Gotteshaus Großwangen auch Leistungen für die reformierte Kirche erbringen.

  • 1580 gab es 20 Personen und 6 Anspanner in Großwangen,
  • 1850 34 Häuser mit 196 Personen,
  • 1880 36 Häuser mit 232 Personen,
  • 1910 47 Häuser mit 218 Personen,
  • 1946 510 Einwohner,
  • 1989 316 Einwohner,
  • 2009 224 Einwohner.

Die Landwirtschaft hat den Ort geprägt und ab 1914 auch der Kalibergbau. Der Bergbau gab vielen Menschen in der Region ein sicheres Einkommen bis nach der Wende 1990 die Schächte geschlossen und verfüllt wurden. Nach der Wende hat sich in Großwangen keiner der Nachkommen der örtlichen Bauern als Wiedereinrichter niedergelassen.

Im Dorfkern von Großwangen gibt es noch schöne alte Gehöfte, die in sich geschlossen sind, ausgestattet mit Laubengängen und stattlichen Tordurchfahrten.

Himmelsscheibe von Nebra

Im Jahre 1999 wurde auf dem Mittelberg bei Kleinwangen von Raubgräbern die berühmte Himmelsscheibe von Nebra gefunden. Sie ist 3600 Jahre alt und die älteste konkrete Himmelsdarstellung der Welt. Seit 2007 steht auf dem Plateau des Mittelberges ein 30m hoher Aussichtsturm und am Fuße des Mittelberges ein Erlebniscenter, die „Arche Nebra„, mit einem imposanten Bau, der dem bronzenen Bogen am Rande der Himmelscheibe nachempfunden wurde. Sie ist mit ihrem bronzefarbenen Dach weit sichtbar. In der Arche wird Besuchern die Geschichte über die Himmelsscheibe und deren Bedeutung vermittelt. Der Originalfund der Himmelsscheibe, mit zwei Schwerter, zwei Randleistenbeile, ein Meißel und zerbrochene Armreifen aus Bronze sind im Landesmuseum in Halle zu besichtigen.

Der einzigartige Fund hat dabei geholfen, dass mit Fördermitteln des Landes Sachsen-Anhalt ein umfassendes Radwegenetz im Unstruttal gebaut, Straßen erneuert wurden und Kleinwangen wieder eine Bahnstation erhielt.

Fast 280 Tausend Besucher waren seit der Eröffnung in der Arche.

Geschichte der Wangener Buntsandsteinbrüche und der Familie Wiebecke

Nach Texten von Sabine und Wolfgang Reich aus Wangen-Nebra

Die Haupteinnahmequelle des Wiebeck’schen Betriebes war der Abbau von Buntsandstein in den Großwangener Steinbrüchen. Die Familien Wiebecke sind aus ihrer angestammten Heimat Ziegelroda/Lodersleben weggezogen, weil der Buntsandstein in Lodersleben unter Tage abgebaut wurde. Der Abtransport war nur auf dem Landweg möglich. Dies war schwierig sowie kostenaufwendig. So kamen die Wiebecke’s ins Unstruttal. Hier wurde urkundlich erwähnt seit dem 11. Jahrhundert, wahrscheinlich jedoch schon länger, der beliebte Buntsandstein abgebaut wurde.

Um die Flüsse Unstrut und Saale schiffbar zu machen, wurden von 1790-1794 insgesamt 12 Unstrut- und 3 Saaleschleusen mit Buntsandstein gebaut. 1795 wurde die Schifffahrt frei gegeben. Die Ausbaustrecke der Unstrut betrug 71,4 km und die der Saale 17,8 km. Ab 1822 konnten die Unstrutschiffe dann bis Halle, Berlin und Magdeburg fahren, nachdem der Ausbau der Saale von Weißenfels bis Halle erfolgt war. In den Jahren 1865-1876 wurden durch die Schleuse Nebra 24.520 Lastkähne geschleust. In dieser Zeit wurde u.a. die Alte Nationalgalerie Berlin 1866-1876 aus Nebraer Buntsandstein errichtet.

Im Tagebau haben die Wiebeckschen Steinhauer den Buntsandstein in Großwangen gebrochen, behauen und über Rampen und Rutschen direkt zum Fluss gebracht und mit eigenen Lastkähnen auf der Unstrut, Saale und Elbe transportiert. Die Steinbrüche und Reste der Rutschenanlagen sind heute noch zu sehen. Verwendet wurde der Buntsandstein u.a. für Bausteine, Mühlsteine, Pflaster, Grabsteine.

Hermann Wiebecke ließ auf der Werft in Nebra, die seit 1850 Schiffe baute, Lastkähne bauen. Diese erhielten dann die Namen der Töchter. Nachweislich ist dies in der Hochzeitszeitung seiner vierten Tochter Elsbeth berichtet worden:

Kam grad der Storch gegangen
Als man den Kahn zum Stapellauf gebracht
Wenn man zum Stapellauf den Kahn geschmückt
Nun schmückte Kind und Kahn der Elsenname
Sanft glitt der Kahn auf Unstrutwellen hin

Die größten Kähne waren 42 m lang und 6 m breit und konnten 150 Tonnen laden. Sie hatten in der Regel zwei Kajüten. Der Preis eines Schiffes betrug um 1860 etwa 4000 Mark. Die Blütezeit der Saale-Unstrut Schifffahrt liegt zwischen den Jahren 1822-1889. 1888 gab es in Großwangen zwei Schiffseigener mit fünf Lastkähnen und 1895 drei Schiffseigener mit acht Lastkähnen. 1937 gab es in Großwangen keine Lastkähnen mehr.

Unstrutaufwärts wurden die Lastkähne getreidelt. Sie wurden entweder durch Menschen (Schiffsknechte) oder durch Pferde gezogen. Wenn der Wind günstig wehte wurde das Segel gesetzt. Die Unterlagen, in denen die Schiffe bei der Durchfahrt der Schleusen Nebra registriert und deren Fracht und die Schiffseigner festgehalten wurden, so auch die Wiebeckschen, sind bis heute vorhanden.

6oo-7oo Steinmetze, Steinhauer und Hilfsarbeiter standen damals in Nebra, Großwangen und Kleinwangen in Lohn und Brot. Neben den Steinbrüchen in Großwangen besaß Christian Wiebecke 1859 auch Steinbrüche an der Straße Großwangen-Nebra. In dem städtischen Steinbruch „Altenburg“ in Nebra hat er sich 1852 zusätzlich Steine gebrochen 1880 wurde das Haus, das die Familie Wiebecke in Nebra besaß von Hermann Wiebecke für mehrere Steinmetzfamilien zu Wohnzwecken umgebaut. Das Haus wurde 1970/71 im Zuge der Erweiterung der Hauptverkehrsstraße abgerissen.

In Berlin erschien 1892 von Professor Hugo Koch die Veröffentlichung „Die Natürlichen Bausteine Deutschlands“ In dieser ist die Herkunft der verbauter Bausteine in einem Verzeichnis festgehalten. Dort ist auch der Steinbruch von H. Wiebecke Großwangen aufgeführt und ein Teil der errichteten Bauwerke.

Aus dem begehrten Baumaterial, dem „Nebraer Buntsandstein“, welcher von unterschiedlichen Eigentümern aus den umüegenden Steinbrüchen stammt, wurden sehr viele wichtige, weit über unsere Grenzen hinaus bekannte Bauwerke errichtet.

Aus „Nebraer Buntsandstein“ wurde u.a. die Alte Nationalgalerie Berlin (die Fassade fast vollständig), Architekturelemente des Roten Rathauses Berlin, das Sockelgeschoß der Technischen Hochschule Berlin, Architekturelemente der Synagoge Oranienburger Str. in Berlin, Gebäude der Universität in der Dorotheenstrasse in Berlin (1879-83), der Eingangsbereich der Universität Rostock, die Moritzkirche Halle, das Kloster Memleben, das Schloß in Nebra und in Vitzenburg gebaut.

Weiterhin viele Bahnhöfe, Brücken, Straßen, Kirchen, Schleusen und Wohnhäuser. Um 1955 wurde in Merseburg in der jetzigen König-Heinrich-Str. eine Straßenzeile links und rechts im Erdgeschossbereich noch mit Nebraer Buntsandsteinen errichtet.

Mitte 1960 kam der Abbau des Buntsandsteins endgültig zum Erliegen, da bei DDR-Bauvorhaben dafür kein Bedarf bestand. Die Brüche wurden geschlossen. Die Natur holte sich die Flächen zurück. Die Abraumberge sind heute mit Bäumen und Sträuchern bewachsen und unter Landschaftsschutz gestellt.

Zwei Buntsandsteinbrüche sind 1997 bei Nebra für die Restaurierung z.B. der Alten Nationalgalerie Berlin und des Weimaer Schlosses aufgemacht worden.

In den Wiebeckschen Buntsandsteinbrüchen gibt es eine geologische Besonderheit an der Felswand. In der mittleren Buntsandsteinschicht hat vor ca. 250 Millionen Jahren ein Erdbeben eine noch heute sichtbare Verschiebung der Sedimentablagerungen verursacht. Über dieses geologisches Ereignis hat W. Heinzelmann 1962 in seiner Diplomarbeit und 1969 in seiner Doktorarbeit geschrieben.

Siehe auch besonders das Bildmaterial hier.